Urban Solutions
Prof. Dr. Dieter Hassenpflug
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Herford 2020

 

Bauhaus-Universität Weimar

Institut für Europäische Urbanistik (IfEU)

Professur Soziologie und Sozialgeschichte der Stadt

Prof. Dr. Dieter Hassenpflug

Dipl.-Ing. Albrecht Erbring

Dr. Klaus Rasche





Ideenwettbewerb “Herford 2020”

-Studienprojekt/Entwurfsprojekt –

In Kooperation mit der Professur „Städtebau I“ (Prof. Christ)

(10. Februar 2005)

 

 

Die Stadt:

 

Herford ist ein ostwestfälisches Mittelzentrum mit ansehnlicher Wirtschaftskraft und bedeutender Vergangenheit. Die Stadt hat ca. 65 Tsd Einwohner, davon ca. 6500 Ausländer (9,8%). Der Anteil von über 65-jährigen Einwohnern liegt bei ca. 19,5%, was annähernd dem Bundesdurchschnitt entspricht. Der Anteil an Grünraum pro Kopf liegt mit ca. 60m2 vergleichsweise hoch. Die Branchenstruktur ist ausgewogen: Verarbeitendes Gewerbe und Dienstleistungsbereich beschäftigen jeweils über 9 Tsd. Sozialversicherungspflichtige, der Handel über 5 Tsd. Eine besondere Bedeutung besitzt die Bekleidungsindustrie, die 16% aller Sozialversicherungspflichtiger beschäftigt (Ahlers, Leineweber, Brinkmann u.a.). Bezogen auf den Kreis Herford und Ostwestfalen-Lippe, ist auch die Möbelindustrie hervorzuheben (z.B. Poggenpohl...). Ebenfalls prominent vertreten sind die Nahrungsmittelindustrie (Humana), die Abfall und Umweltindustrie (Sulo, Wedeco), der Maschinenbau (Wemhöner) und die Telekommunikation (Steinkühler, Convertronic).

Die über 1200-jährige Geschichte Herfords verbindet sich mit den Namen Widukinds, Karls des Großen, Mathilde und Heinrich I (dem ersten deutschen Königspaar), mit hochadeligem Frauenkloster und Reichsstift, mit “Kondominium” von Stift und Stadt (Reichsstiftstadt), uralten Marktprivilegien (973 u.Z.), frühester Ratsverfassung und Hanse, mit großen Persönlichkeiten wie Anton Fürstenau und Gerhard Friedrich Müller u.v.m.

Wie die Stadtbilder vieler anderer deutscher Städte hat auch dasjenige Herfords unter den Zerstörungen des II. Weltkrieges und der an funktionalistischen Leitbildern orientierten Nachkriegsmodernisierung stark gelitten. So wurde z.B. noch in den 80iger Jahren der Versuch unternommen, das traditionsreiche, ca. 1000-jährige Friedrichsgymnasium aufzulösen, nachdem man bereits 1972 den klassizistischen Bau des Gymnasiums abgerissen hatte.

Seit einigen Jahren macht sich in Herford ein Wandel des Bewusstseins bemerkbar. Auf der Suche nach Identität, Zugehörigkeit, Unverwechselbarkeit stoßen immer mehr Bürger auf das Erinnerungskapital ihrer Stadt, auf das, was an räumlichem Gedächtnis und an Monumenten noch geblieben ist. Unter den vielen Bürgern, die sich durch Hinwendung zur Geschichte um Herfords Zukunft Verdienste erwarben, seien hier nur die Namen Dr. Rainer Pape, Dieter Ernstmeier, Rolf Demuth und Heinrich Wemhöner genannt. Doch zugleich wird auch nach neuen Wegen gesucht, die Bedeutung Herfords hervorzuheben und zu stärken. Für diese Richtung steht MARTa (M - Möbel(!),

ART – Art, A – Ambiente) ein Kunst- und Kulturprojekt, dass sich insbesondere mit den Namen Frank O. Gehry, dem amerikanischen Architekten, und Jan Hoet, dem belgischen Direktor und künstlerischen Leiter von MARTa, verbindet.



Die Aufgabe:

 

Mit MARTa entsteht außerhalb der dreigliedrigen mittelalterlichen Kernstadt ein urbanes Gravitationszentrum mit starker Ausstrahlung auf das Gebiet zwischen Kurfürstenstr. - Bahnhof - Hansastraße - Aa. Dem um die Goebenstraße herum sich entwickelnden “Nebenzentrum” steht eine Altstadt mit unübersehbaren urbanen Defiziten - wenngleich mit großem, jedoch nicht ausgeschöpftem urbanem Potenzial - gegenüber. Damit besteht die Gefahr einer asymmetrischen Entwicklung - zu Lasten der Innenstadt. Anstatt die von der Goebenstraße ausgehenden Impulse für die innerstädtische Entwicklung zu nutzen, könnte ein Abfluss von städtischen Energien und somit eine weitere Auszehrung des Herforder Zentrums resultieren. Eine solche Entwicklung gilt es nicht nur zu verhindern, sondern vielmehr die Altstadt - und hier insbesondere das Quartier “Radewig” - in die Lage zu versetzen, mit dem MARTa-Möbel-Kunst-Kultur-Quartier in eine synergetische Beziehung zu treten. Aufgabe ist es demnach, Altstadt und MARTa-Quartier zu einer kraftvollen urbanen Einheit zu verschmelzen. Um diese neue Zentralität zu gewinnen, ist es erforderlich das alte Zentrum sozial, funktional und ästhetisch-städtebaulich aufzuwerten und zugleich die Verbindungen der beiden Zentren städtebaulich zu definieren und zu qualifizieren.

Während die Entwicklungsimpulse von MARTa sich bereits vor der Fertigstellung im städtischen Umfeld bemerkbar machen, ist die Altstadt mit einer Fülle von Problemen konfrontiert, von denen hier nur die wichtigsten genannt werden können. Die Fußgängerzone, welche Gänsemarkt, Alten Markt und Neuen Markt miteinander verbindet, dazu den Münsterkirchplatz einzubeziehen sucht, ist teils zu lang, teils zerschnitten, teils undefiniert und vor allem mangels fehlender oder falsch platzierter “Anker” instabil. Da das architektonische Gesamtbild darüber hinaus Kontextmängel aufweist (einige Maßstabs-, Material- und Stilbrüche lassen es gelegentlich uneinheitlich und unruhig erscheinen) kann der Einzelhandel sich nicht so inszenieren, wie es für eine konkurrenzfähige Innenstadt erforderlich wäre.

Stark frequentierte Straßen belasten zudem die Innenstadt gleich mehrfach, durch Zerschneidung, Unmaßstäblichkeit, Emissionen. Die traditionale Dreigliedrigkeit der Altstadt (Altstadt um die Münsterkirche, Radewig um die St.-Jacobi-Kirche und Neustadt um die Johanniskirche) ist städtebaulich nicht hinreichend artikuliert. Flächen für Kinder (Spielraumvernetzung?), Jugendliche und ältere Mitbürger sind steigerungsfähig. Weitere Funktions- und Leistungsdefizite machen die Innenstadt für das Wohnen unattraktiv, insbesondere für Familien mit Kindern, jedoch auch für junge Menschen (“Gentrifier”), die ein interessantes und hochwertiges urbanes Umfeld suchen.

Unter den dargelegten Voraussetzungen besteht die Planungsaufgabe darin, den Stadtraum zwischen Bahntrasse und Aa einerseits und zwischen Hansastraße und der Linie Stadtgraben-Kreishausstraße (blau umrandetes Plangebiet) bzw. das „Dreieck“ MARTa – Radewig – Altstadt-Zentrum urbanistisch so zu entwickeln, dass Radewig und MARTa-Quartier in eine Beziehung wechselseitiger Förderung und Bereicherung zueinander treten können. Dabei ist das Wirkungsgefüge zwischen Bahnhof, Radewig, MARTa und Innenstadt-Zentrum besonders zu beachten. Im Qualifizierungsprozess ist zudem die gesamte Innenstadt (innerhalb der alten Wallanlagen) sowohl bei der Analyse, als auch bei der Entwicklung des zu erstellenden Rahmenkonzeptes mit einzubeziehen. Die städtebaulich-urbanistische Lösung ist in einem Modell 1:1000 darzustellen (siehe unter “geforderte Leistungen”).



Ein Preisgeld von € 10 Tsd. ist ausgelobt. Als Preise sind vorgesehen:

 

1. Preis: € 4.500,--

2. Preis: € 2.250,--

3. Preis: € 1.250,--

4. - 5. Preis: € 500,--

Anerkennungen: 250,--



Durchführung:

 

1. Teilnahmeberechtigt sind nur Studierende der Bauhaus-Universität Weimar im grundständigen Studiengang Architektur (Vertiefung Stadtplanung) ab 7. Semester und Studierende des postgradualen Master-Studiengangs Europäische Urbanistik

2. Die Gruppenstärke beträgt drei Studierende

3. Die Teilnahme berechtigt zum Erhalt eines Leistungsnachweises (Europäische Urbanistik 12 SWS als Wettbewerbsbeitrag, zzgl. 4 SWS Erläuterungsbericht (Aufbereiten - Überarbeiten - Vertiefen) im 3. Semester; Architektur 8 SWS als Wettbewerbsbeitrag ohne Erläuterungsbericht)

4. Termine:

  1. Die Anmeldung erfolgt für Studierende der Architektur wie üblich gegen Ende des Sommersemesters nach der Vorstellung der Entwurfsprojekte (voraussichtlich am 8. Juli 04), für Studierende der Europäischen Urbanistik mit Aufnahme des Studiums im Oktober

  2. Das Auftaktplenum findet am Donnerstag, den 21. Oktober 04 ab 9:00 im Haus der Europäischen Urbanistik, Albrecht-Dürer-Str. 2, statt

b. Exkursion nach Herford mit Unterbringung in Gastfamilien und einem Arbeitsraum mit Internetanschluss von Freitag, den 29. Oktober bis Sonntag, den 7. November 04

Arbeitsunterlagen werden am Donnerstag, den 21. Oktober 04, ab 9:00 Uhr im Rahmen des ersten Plenums im Haus des Instituts für Europäische Urbanistik verteilt, u.a.:

Planmaterial (digital),

Entwurf des Stadtentwicklungskonzeptes und/oder Flächennutzungsplan,

Städtebaulicher Rahmenplan Innenstadt (Leihexemplar)

d. Abgabetermin Modelle und öffentliche Endpräsentation: Dienstag, 15. März 2005 im Haus der Europäischen Urbanistik (HEU) an der Bauhaus-Universität Weimar (BUW)

e. Preisgerichtssitzung: Dienstag, 15. März 2005 im HEU der BUW, Bekanntgabe der Preisträger/innen

f. Vernissage mit Preisverleihung: Dienstag, 29. März 2005 im Rathaus der Stadt Herford bzw. in MARTa

5. Geforderte Leistungen:

 

a. Bestandsaufnahme und Evaluation

Poster, Maßstab 1 : 2000

b. Städtebauliches Leitbild, Hypothesen und Entwicklungsvarianten

Poster, Maßstab 1 : 2000

c. Rahmenplanung (Entwurfskonzept, Lageplan und Modell)

Maßstab 1 : 1000 / 1 : 500

d. Städtebauliches Detail (Lageplanausschnitt und räumliche Darstellungen zu einem ausgewählten Teilbereich)

Maßstab 1 : 500

e. Erläuterungsbericht (für 3. Sem. Europ. Urbanistik; kein Wettbewerbsbeitrag)

Der grafische Teil der Wettbewerbsbeiträge umfasst 3 - 4 Ausstellungstafeln im Format A 1 für alle Gruppen. Für Studierende der Europäischen Urbanistik wird die Aufgabe über den Wettbewerbsbeitrag hinaus und nach Abschluss des Wettbewerbs um die Abgabe eines Erläuterungsberichts im 3. Semester erweitert (siehe Punkt 3).

Für den Modellbau, Druck von Postern etc. stehen Finanzmittel zur Verfügung. Näheres dazu auf dem ersten Plenum.

 

  1. Ab 29. März bis Anfang Mai öffentliche Ausstellung der besten Entwürfe des studentischen Ideenwettbewerbs “Herford 2020" in Herford. Die Publikation der ausgestellten Arbeiten wird angestrebt. Weiterhin besteht die Absicht, die Arbeiten im Rahmen bestehender Partnerschaften am Centre for Architecture and Urban Studies der Tongji-Universität Shanghai, China, auszustellen.

  2. Die Verwertungsrechte an den Wettbewerbsbeiträgen liegen bei der Bauhaus-Universität Weimar.



Der Jury gehören an (max. 8 Personen):



Bauhaus - Universität Weimar, Institut für Europäische Urbanistik, Prof. Dr. Dieter Hassenpflug (Vorsitzender der Jury)

Stadt Herford, Bürgermeister Bruno Wollbrink – Frau Angela Schmalhorst, stellv. Bürgermeisterin

Stadt Herford, Jan Hoet, Direktor MARTa, Herford

Bauhaus - Universität Weimar, Institut für Europäische Urbanistik, Prof. Dipl.-Ing. Wolfgang Christ

Universität Dortmund, Fakultät Raumplanung, Frau Prof. Dr.-Ing. Sabine Baumgart

Stadt Herford, Ratsmitglied u. Fraktionsvorsitzender Heinz Günther Scheffer
Stadt Herford, Dezernat 4, Stadtentwicklung, Dr. Peter Maria Böhm
Frau Susan Markötter, Geschäftsführerin, Herford



Das Preisgericht behält sich eine Veränderung der Preisverteilung vor.