Urban Solutions
Prof. Dr. Dieter Hassenpflug
Bauhausstr. 8a
99423 Weimar

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Gera’s starke Mitte

Die Stadt

Gera ist eines von drei Oberzentren in Thüringen und mit ca. 115 Tsd. Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Freistaats. Der Name der ostthüringischen Stadt verbindet sich mit der Textilindustrie. Bereits im 13./14. Jh. war die Zunft der Tuchmache die größte, eine Entwicklung die durch die Zuwanderung vieler Zeugwirker und Färber aus den Niederlanden ab dem 16. Jh. gestärkt wurde. In der zweiten Hälfte des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jh’s. verfügte die Textilindustrie in Gera über ein Zentrum in Deutschland. Gera verbindet sich allerdings auch mit Namen wie demjenigen des berühmten Expressionisten Otto Dix und dem Architekten Thilo Schoder oder auch mit der Herkunft des Kinder-Filmfestivals “Goldener Spatz”. Überregionale Aufmerksamkeit erzielen zudem die Geraer Höhler, der Theaterbau des Architekten Heinrich Seeling, die Gründerzeitvillen und die Villa Schulenburg von Henry van de Velde. Die gegenwärtig in Planung befindliche Bundesgartenschau Gera-Ronneburg wird den Grün-und Landschaftsräumen der reizvoll gelegenen Stadt Attraktivität verleihen und zur Verbesserung des Stadtbildes beitragen.
Anderen Städten in den neuen Bundesländern vergleichbar, teilt Gera deren erheblichen Umstrukturierungs- und An­passungsprobleme. So ist die Zahl der Einwohner seit 1989 (ca. 134 Tsd.) um ca. 19 Tsd. zurückgegangen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten schrumpfte im vergleichbaren Zeitraum von ca. 62 Tsd (1990) auf ca. 40 Tsd. (2002). Im verarbeitenden Gewerbe (z.Z. 2870 Beschäftigte) verlor Gera über 80 % der Beschäftigten und liegt damit an der Spitze in Thüringen. Die Arbeitslosenquote betrug im Dezember 2004 19,4 %. Die mit diesen Indikatoren beschriebene Entwicklung wird von einem erheblichen Verlust von Einwohnern begleitet. Vor dem Hintergrund der allgemeinen wirtschaftlichen Umstrukturierung ist dieser Verlust insbesondere auf drei Ursachen zurückzuführen: Den höchsten Bevölkerungsverlust erlitt (bzw. erleidet) die Stadt durch die Abwanderung junger, gut ausgebildeter und mobiler Bevölkerungsgruppen in wirtschaftlich starke Regionen im Westen des Landes und in das westliche Ausland (sog. “Westwanderung”). Der Wanderungsverlust macht über 70% des Bevölkerungsverlustes aus. Verstärkt wird dieser Trend durch eine anhaltend sehr niedrige Geburtenrate, die einen entsprechend hohen Sterbeüberschuss mit sich bringt. Schließ­lich darf die - durch die Kombination von Steuervorteilen (“Eigenheimzulage”) mit niedrigen Grundstückspreisen entscheidend be­günstigte -  Umlandwanderung, der Wechsel von der Stadtwohnung in das Eigenheim an der Peripherie, nicht unerwähnt bleiben. Insgesamt hat Gera seit 1990 fast 20 Tsd. seiner Einwohner auf eine dieser drei Arten verloren. Mit ca. 1,2 % ist der Ausländeranteil andererseits extrem gering und liegt selbst deutlich unter dem ohnehin geringen Durchschnitt in Thüringen (1,6 %; Bundesrepublik: 9 %; Westdeutschland: 11 %).
Die Stadt unternimmt erhebliche Anstrengungen, um ihre wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und das Stadtbild zu verbessern. So hat die Stadt sich erfolgreich um die Förderung aus dem URBAN II-Programm der Europäischen Union (2000 - 2006) beworben.

 

Die Aufgabe

Räumlich handelt es sich bei Gera um eine Stadt mit bandartiger und polyzentrischer Struktur. Insbesondere die Entstehung der beiden Satellitenstädte Bieblach-Ost im Norden und Lusan (dem mit Abstand einwohnerstärksten Stadtteil) im Süden haben die dreigliedrige Polyzentrik zu Lasten der historischen Stadtmitte akzentuiert. Durch den ebenfalls zu DDR-Zeiten erfolgten Abriss eines Teils der einstigen Neustadt, durch die Herausnahme der Straßen und durch eine z.T. auch in Zeilenbauweise ausgeführte Überbauung mittelterlicher Quartiere wurde die Zentralität Geras zusätzlich geschwächt. Gleiches gilt für die Entstehung von großen Einzelhandelsflächen an der städtischen Peripherie, insbesondere in der Nähe der Autobahnabfahrt nach der Wende.
Angesichts von Abwanderung, räumlicher Peripheripherisierung und demografisch bedingter Schrump­fung sind die Bemühungen der Stadt seit der Wende darauf gerichtet, die Innenstadt als traditionelles Hauptzentrum funktionell und gestalterisch zu stärken. Zeugnis dieser Bemühungen sind u.a. die Sanierung der Schloßstr., des Rathauses ... aber auch die aus der Zivilgesellschaft heraus organisierten Veranstaltungen auf dem historischen Marktplatz, die entscheidend zu einer Wiederbelebung der Kleinen und Großen Kirchstr. beigetragen haben. Manche der bisherigen Entscheidungen - insbesondere der Bau der Gera-Arkaden mit dem zentralen Nahverkehrsknoten vis-a-vis des Hauses der Kultur an der Ecke Breitscheidstr./Straße der Republik  und der nachfolgende Bau des Elsterforums haben in jüngster Zeit dazu beigetragen, den städtischen Schwerpunkt nach Westen zu verschieben. Zuvor war die Sorge Einzelhandelsschwerpunkt und Rückgrad des städtischen Lebens; wobei anzumerken ist, dass diese Achse bereits eine Nordverschiebung des vorgründerzeitlichen Zentrums um den Kornmarkt repräsentiert. Inzwischen hat die Sorge dramatisch an Aktivität und Frequenz eingebüßt. Der Niedergang des Horten-Kaufhauses, des Stammhauses des Hertie-Konzerns, bis zum gegenwärtigen Leerstand legt von dieser Entwicklung bedrückendes Zeugnis ab.
Die allgemeine Planungsaufgabe besteht vor diesem Hintergrund darin, das Innenstadtgebiet zwischen Breitscheidstr. und Uhlandstr/Webergasse einerseits und Rudolf-Diener-Str. und der Linie Nicolaiberg-Schuhgasse-Rathaus so zu überplanen, dass die Stadtkrone artikuliert und in ihrer Integrität gestärkt wird. Gera soll über sein historisches Mittelzentrum, die Innenstadt, wahrnehmbar werden. Dazu ist das Zentrum in seinen sozialen, funktionalen und räumlich-ästhetischen Begabungen zu stärken. Bei der Überplanung ist die Stadt als Ganzes in Betracht zu ziehen, sodass die städtebaulichen Interventionen aus dem stadträumlichen, funktionalen, wirtschaftlichen, demografischen und baulichen Kontext begründet werden können. Die Planungen der BUGA 2007 sind in ihren entsprechenden Auswirkungen mit zu berücksichtigen.
Für das städtebauliche Detail (1:500) stehen zwei problembehaftete Quartiere zur Auswahl: Zum einen das Quartier “Hinter der Mauer”, das durch die Verlagerung der Straßenbahn in den “Rücken” der südlichen Blockrandbebauung an der Sorge  in seiner heutigen Form entstand (Bereich Sorge, Steinweg, Große u. Kleine Kirchstr., Schloßstr.). Zum anderen das “Horten-Quartier” (Bereich Rudolf-Diener-Str., Leipziger Str., Sorge, Humboldstr.), wobei in diesem Fall nicht nur die städtebauliche Restrukturierung des Blocks, sondern auch das Nutzungskonzept des ehem. Horten-Kaufhauses und des Blocks gefordert sind.

 

Ein Preisgeld von 6 Tsd. ist ausgelobt. Als Preise sind vorgesehen

1. Preis:    2.850,--
2. Preis:    1.500,--
3. Preis:    950,--
4. Preis:    500,--
Anerkennung:    200,--

 

Durchführung

1.Teilnahmeberechtigt sind nur Studierende der Bauhaus-Universität Weimar im Hauptstudium des grundständigen Studiengangs Architektur und Studierende der postgradualen Master-Programme (EUS und IIUS) des Instituts für Europäische Urbanistik
2.Die Gruppenstärke beträgt max. drei Studierende. Die Gruppenbildung erfolgt auf dem Eröffnungsplenum
3.Die Teilnahme berechtigt zum Erhalt eines Leistungsnachweises (Europäische Urbanistik 12 SWS als Wettbewerbsbeitrag, zzgl. 4 SWS Erläuterungsbericht (Aufbereiten - Überarbeiten - Vertiefen) im 3. Semester; Architektur 8 SWS als Wettbewerbsbeitrag ohne Erläuterungsbericht)

 

1.Termine

a.Die Anmeldung erfolgt für Studierende der Architektur wie üblich gegen Ende des Sommersemesters nach der Vorstellung der Entwurfsprojekte (voraussichtlich am 6. Juli 05), für Studierende der Europäischen Urbanistik mit Aufnahme des Studiums im Oktober
b.Auftaktplenum am Donnerstag, den 20. Oktober 05 ab 9:00 im Haus der Europäischen Urbanistik, Albrecht-Dürer-Str. 2. Aufgaben u.a. Gruppenbildung, Semesterprogramm, Verteilung der Gruppenarbeiten
c.Exkursionswoche vom 1. November bis 4. November 2005. Am Dienstag, den 1. November ab 9:00 Stadtrundfahrt, Innenstadt-Rundgang und ab ca. 16:00 Briefing durch Fachleute der Stadt. Von Mittwoch, 2. bis Freitag, 4. November Durchführung von Gruppenarbeiten. Am Freitag, den 4. November ab 13:30 Vorstellung der Zwischenergebnisse. Danach, ab 19:30 Jahrestreffen des Vereins „Ja für Gera“ mit Empfang. Genaue Informationen auf dem Auftaktplenum
d.Arbeitsunterlagen werden im Rahmen des ersten Plenums im Haus des Instituts für Europäische Urbanistik verteilt, u.a.:
i.Planmaterial (digital),
ii.Stadtentwicklungskonzeption Gera
iii.Städtebaulicher Rahmenplan Innenstadt (Leihexemplar), Imagestudie, Programm Urban, Stadtentwicklungskonzepte können nach Vereinbarung bei Herr Albrecht Erbring eingesehen werden
e.Abgabetermin Modelle und öffentliche Endpräsentation: Dienstag, 7. März 2006 im Haus des Instituts für Europäische Urbanistik (IfEU)
f.Preisgerichtssitzung: voraussichtlich Dienstag, 7. März 2006 im Haus des Instituts für Europäische Urbanistik (IfEU), Bekanntgabe der Preisträger/innen
g.Vernissage mit Preisverleihung unter Mitwirkung des Oberbürgermeisters und des Vereins „Ja für Gera“: Sonntag, den 2. April 2006 im Foyer des Hauses der Kultur, Gera (Termin fest gebucht). Aufbau der Ausstellung mit anschließendem Abendessen am 1. April (ab Mittag)
2.Geforderte Leistungen:
a.Bestandsaufnahme und Evaluation
b.Poster, Maßstab 1 : 2000
c.Städtebauliches Leitbild, Hypothesen und Entwicklungsvarianten
d.Poster, Maßstab 1 : 2000
e.Rahmenplanung (Entwurfskonzept, Lageplan und Modell)
f.Maßstab 1 : 1000
g.Städtebauliches Detail (Lageplanausschnitt und räumliche Darstellungen zu einem der beiden angebotenen Bereiche) Maßstab 1 : 500 (auch 1 : 250 möglich)
h.Erläuterungsbericht / Dokumentation (nur Studierende des IfEU; kein Wettbewerbsbeitrag)
3.Der grafische Teil der Wettbewerbsbeiträge umfasst 4 - 6 Ausstellungstafeln im Format A 1 für alle Gruppen.
4.Für den Modellbau, Druck von Postern etc. stehen Sach- und Finanzmittel zur Verfügung. Näheres dazu während des Projekts.
5.Ab 1. April öffentliche Ausstellung der besten Entwürfe des studentischen Ideenwettbewerbs “Gera’s starke Mitte" in Gera. Die Publikation der ausgestellten Arbeiten wird angestrebt.

Die Verwertungsrechte an den Wettbewerbsbeiträgen liegen bei der Bauhaus-Universität Weimar.

Der Jury gehören an (Änderungen vorbehalten):
Stadt Gera, Oberbürgermeister Dipl.-Ing. Ralf Rauch
Universität Dortmund, Prof. Dipl.-Ing. Christa Reicher
Bauhaus - Universität Weimar, Dipl.-Ing. Oswald W. Grube (Baudirektor i.R.)
Bauhaus - Universität Weimar, Prof. Dr. Dieter Hassenpflug (Vorsitzender der Jury)
Stadt Gera, Stadtbaureferent Dipl.-Ing. Ramon Miller
“Ja für Gera”, Volker Tauchert
Dipl.-Ing. Ralf Schekira, Geraer Wohnbaugesellschaft „Elstertal“
ohne Stimmrecht:
“Ja für Gera”, Gemeinschaft der WBGenossenschaft, Gera
Euen, Wolf u. Winter, Architekten
Dipl.-Ing. Albrecht Erbring

Das Preisgericht behält sich eine Veränderung der Preisverteilung vor. Es entscheidet auch über die Beteiligung an der Ausstellung in Gera.